Konfliktmanagement als integrierter Bestandteil von Digitalisierungsprojekten

Konfliktmanagement als integrierter Bestandteil von Digitalisierungsprojekten

Wie kann klassisches Konfliktmanagement bei Digitalisierungsprojekten unterstützen?

Frederic Rouagha: Die Mediation lebt davon, Konfliktthemen aufzuzeigen und genau zu benennen. Im Anschluss kann man dann aus der Konfliktposition, also aus einem festgefahrenen Gedankenkonstrukt heraus, in einen dynamischen Prozess zu finden. Der ermöglicht dann durch unterschiedliche Kreativtechniken einen lösungsoffenen Prozess und eröffnet ungeahnte Möglichkeiten für alle Parteien. “Wir lieben Konflikte” klingt im ersten Moment vielleicht etwas paradox, doch wo Reibung ist, entsteht Energie. Und die kann man in Konfliktsituationen nutzen. Fortschritt entsteht durch Veränderung und Veränderung durch gelöste Konflikte. Deshalb sollten wir mit dem negativen Image von Konflikten aufräumen und sie als Chance sehen und nutzen.

Welche Formen von Konflikten gibt es bei der Digitalisierung erfahrungsgemäß?

Frederic Rouagha: Einmal gibt es den aktiven Widerstand von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Dem kann durch offene Gespräche und dem Anbieten von Lösungen begegnet werden. Solche häufig konstruktiven Gespräche sind dem Prozess oft sehr dienlich. Dadurch ist diese Art von Widerstand für alle Beteiligten ein Gewinn, solange dies professionell und zielführend geschieht.

Passiver, stiller Widerstand auf der anderen Seite, das Torpedieren von Maßnahmen, das “Nicht-Nutzen” von neuen Systemen und Lösungen zum Beispiel ist hinderlich. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten nicht effizient und schaden so dem Prozess. Hier muss früh gehandelt werden, um das Gesamtprojekt nicht zu gefährden. Alle müssen mit ins Boot geholt werden, das gesamte Unternehmen sollte gewillt sein die Digitalisierung umzusetzen, nicht nur einzelne Köpfe.

Wie sieht es ganz praktisch aus, wenn die Akzeptanz für ein Digitalisierungsprojekt fehlt?

Stanislaw Panow: Dann wird statt mit dem tollen neuen ERP-System weiterhin mit xls-Dateien gearbeitet, statt mit dem effizienten und einfachen Projektkommunikationstool werden immer noch E-Mails verfasst und versendet, Telefonische Rückrufbitten werden weiterhin auf gelben Zetteln hinterlegt statt diese im Ticketsystem zu erfassen

Mit welchen Methoden kann man Digitalisierungprojekte trotzdem voranbringen?

Frederic Rouagha: Ein großes Problem liegt darin, dass gar nicht über Konfliktlösung nachgedacht wird. Warum wird nicht in jedes größere Digitalisierungsprojekt ganz selbstverständlich ein Konfliktlöser integriert? Dann käme man auch viel schneller zu wirksamen Lösungen als wenn man die Führungsetage den Mitarbeitern die fertige Lösung präsentiert. Wenn das Thema Konfliktmanagement eine aktive Rolle in der Digitalisierungsstrategie spielt, kann viel Zeit und Geld gespart werden. Man sollte immer die Interessen aller Beteiligten abfragen und sie in den Prozess integrieren.

Über welche Hürde stolpern die Unternehmen konkret?

Stanislaw Panow: Das fängt wirklich damit an, dass oft nicht alle an einem Tisch sitzen, die vom Projekt betroffen sind. Manchmal werden sie nicht einmal über das neue Digitalisierungsprojekt informiert. Werden Mitarbeiter nicht mit auf die Reise genommen, beginnen sie im schlimmsten Fall sogar, das Projekt zu torpedieren. In unseren Projekten als IT-Dienstleister geht es dann aber vor allem auch darum, dass viele – auch IT-Dienstleister – aneinander vorbeireden, weil es keine Struktur als Basis gibt.

Liegt die Konfliktlösung vorallem in der Struktur?

Stanislaw Panow: Ja, in der Struktur und im Wissen um Zusammenhänge. Als Bauingenieur habe ich eine besondere Liebe zur Struktur. Und ich hatte irgendwann einfach die Nase voll von der Unstrukturiertheit in der IT. Und was lag da näher, als die IT als ein Bauwerk zu betrachten und in einzelne, definierte Gewerke (wir nennen sie IT-Services) aufzuteilen. Das mangelnde Wissen um Zusammenhänge in der IT beispielsweise birgt ein enormes Konfliktpotential, dem wir mit unserer Methode, mit der wir die Gewerke zueinander in Verbindung setzen, soweit möglich entgegenwirken möchten. Wenn  Digitalisierungsprojekte sinnvoll vorangebracht werden sollen, ist ein Überblick über die Unternehmens-IT eine wichtige Grundvoraussetzung und die Zusammenhänge in der Bestands-IT müssen bekannt sein.

 

Teil 2 unserer Webcast-Reihe “Träumen Sie auch davon, dass Digitalisierung einfach stattfindet?”

Im Expertengespräch beleuchten Frederic Rouagha (matchdigital management GmbH) und Stanislaw Panow (netcos GmbH) Ihre digitale Reise im Hinblick auf Konfliktpotenziale und Konfliktlösungen.

 

Hand in Hand sorgen die Digitalisierungsplattform matchdigital und die IT-Analyse-Methodik itpilot® dafür, dass insbesondere auch kleine und mittelständische Unternehmen ihre Prozesse für die Digitalisierung fit machen und ihre IT für diese Anforderungen strukturieren und zukunftsfähig gestalten. Mehr zur Zusammenarbeit